Schleswiger Speeldeel beim Volkstheaterfestival Wurzelwerk

30.04.2015

Meilenstein für einen neuen Dialog zum Mundarttheater

 

Das Volkstheaterfestival Wurzelwerk, das vom 30. April bis 3. Mai in Sulzbach an der Saar stattfand, hat Maßstäbe für eine neue Form des Theaterdialogs gesetzt, darin waren sich die Veranstalter vom Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) und vom Verband Saarländischer Amateurtheater (VSAT) einig.

 

Bei ihrer Eröffnungsrede betonte Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer: „Der Blick auf neue Theaterformen und Themen, die die Menschen beschäftigen, ist wichtig“. In diesem Kontext spiele auch das Thema Einwanderung eine wichtige Rolle, so die Schirmherrin, und sie stellte heraus, dass die Sprachen und Dialekte wichtige Funktionen in unserer Gesellschaft übernähmen. Dass sich Sulzbach als „Bundeshauptstadt“ für Mundart- und Volkstheater präsentiere, sei eine besondere Auszeichnung, sagte Bürgermeister Michael Adam und deshalb habe man das Festival auch gern unterstützt.

 

 

BDAT-Präsident Norbert Radermacher hob das Amateurtheater als einen der großen Bewahrer der deutschen Mundarten hervor. „Aufgrund der sozialen und künstlerischen Bedeutung der Dialekte und Mundarten für unsere Gesellschaft gilt es, diese nicht nur zu schützen, sondern ihre Einzigartigkeit, ihre Vielfalt und gesellschaftliche Wirkung zu erkennen und öffentlich zu diskutieren“. Das Festival bot für diesen Dialog den geeigneten Ort. Sieben Theatergruppen aus verschiedenen Regionen Deutschlands stellten ihre Inszenierungen vor, spannende Aufführungsgespräche gaben einen Einblick in die künstlerischen Arbeit im Kontext der jeweiligen Sprache oder des jeweiligen Dialekts.

 

 

Die inhaltliche Palette zeichnete ein buntes Bild vom Volkstheater. Klassische Volkstheaterinszenierungen wie „Der verkaufte Großvater“ von der saarländischen Volksbühne Hülzweiler oder „Der kühne Schwimmer“ vom hessischen Theaterclub Elmar, sowie die Inszenierung unserer Mitgliedsbühne, der Schleswiger Speeldeel, wurden mit großer Spielfreude präsentiert.

 

Das Mysterienspiel „Der Pakt mit dem Teufel – Theophilus in Not“ vom Theaterverein „Rott am Inn“ aus Bayern stand stellvertretend für ein lebendiges, religiöse Volkstheater und es fand in der Kirche Allerheiligen einen passenden Aufführungsort.

 

Einen Einblick in die Welt des türkischen Schattentheaters boten die Meisterspieler Ali & Erhan Köken mit ihrem Karagöztheater, in dessen Mittelpunkt der etwas einfache, aber bauernschlaue Karagöz, und der intellektuelle Hacivat humorvolle Rededuelle durchfechten.

 

Ein Monolog als Volkstheater? Auch das war eine Facette des Festivals. Mit „Bagger“ von Henning Mankell wagte sich die Schleswiger Speeldeel an eine Adaption des Gegenwartsstückes, das in Plattdeutscher Sprache zu überzeugen wusste.

 

 

Zwischen Barbiewelt und Rollenklischees bewegte sich das JugendTheaterBüro Berlin mit ihrer politischen, teils derben, vor allem aber ironisch-sarkastischen Eigenproduktion „90/60/90: Rollenscheiß“. Die jungen Darsteller zeichneten ein exemplarisches und sehr buntes Bild postmigrantischen Volkstheaters. „Umsonschd isch dr Dod“, ein eindringlicher Dialog zwischen „Jakob und Isabelle“, der sich mit essentiellen Lebensfragen auseinandersetzt, wurde sensibel vom Theater Emerkingen aus Baden-Württemberg in Szene gesetzt.

 

Josef Sedlmeier, Präsident des Verbandes Saarländischer Amateurtheater, und Erika Sedlmeier, Sprecherin des Bundesarbeitskreises Mundart und Sprachen (BDAT), waren sich am Schluss einig, dass dieses Festival mit rund 100 Teilnehmenden und mehr als 1.200 Zuschauern ein erster Meilenstein war, der der weiteren Entwicklung des Theaters in Mundart und Dialekten wichtige Impulse gegeben hat. Das nächste Wurzelwerk-Festival soll in zwei Jahren stattfinden.

 

Das Festival wurde gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Land Saarland, dem Verband Saarländischer Amateurtheater, der Stadt Sulzbach, dem Saarländischen Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie sowie von weiteren Sponsoren.

 

 

Fotos: Frank Weymann